14 Tage durch das wilde Island 21.05.-04.06.2000

Mein Schlusswort im letzten Jahr war: „Das Spinnennetz hat mich gefangen und ich muss einfach zurückkehren.“ – Was hätte ich also dagegen tun können? So bin ich jetzt, eineinhalb Jahre später, zurück auf der Insel aus Feuer und Eis, diesmal zu einer anderen Jahreszeit, die der Insel aber nichts von ihrem unglaublichen Charme nimmt.

Am Flughafen Keflavik fand ich mich zurecht, als wäre ich erst gestern hier gewesen. Und die damals karge Mondlandschaft der Reykjanes Halbinsel wirkte jetzt auch nicht mehr ganz so fremd und unwirtlich. Die mit grünem Moos bewachsenen Lavasteine leuchteten in der Sonne, auch das Wetter war ein krasser Gegensatz zu dem verregneten Frankfurt, aus dem wir heute, am Mittag des 21.05., gestartet sind. Da wir nur Fly & Drive gebucht hatten, mußten wir uns natürlich erst eine Unterkunft suchen, aber die nette Dame von der Hertz-Autovermietung telefonierte sich für uns die Finger wund und so kamen wir schließlich im Gistiheimilid Anna unter. Obwohl uns der Preis anfangs erschreckt hatte, waren wir nach einem Rundgang durch Reykjavik und einem Vergleich mit anderen Pensionen und Jugendherbergen doch mehr als zufrieden. Nach meinem planlosen Herumstreifen im Januar letzten Jahres fühlte ich mich dieses Mal wie zu Hause und fand mich in den Straßen wunderbar zurecht. Eine lustige Begegnung hatten wir bei unserem Rundgang im Gistiheimilid Aurora, dort wurden wir schon an der Tür auf französisch begrüßt und da meine Begleitung sehr gut französisch spricht, unterhielt sie den „französischen Isländer“ so lange, dass diesem fast sein Essen anbrannte. Tja, Zufälle gibt es 😉 und es sollte nicht der einzige Zufall sein. Und nachts um 10 Uhr saßen wir in unserem Zimmer und staunten über den taghellen Himmel – ein unglaublicher Gegensatz zu der Dunkelheit im Januar. Diese Nacht wachten wir einige Mal auf und schauten verwirrt auf die Uhr, weil die Sonne einfach nicht untergehen wollte. Es sollte einige Tage dauern, bis wir uns an diese hellen Nächte gewöhnt hatten, die einem so viel länger erscheinen als in Deutschland.

Der zweite Tag startete grau und regnerisch, aber wie heißt es so schön in Island: Einfach mal eine Stunde warten, dann ist das Wetter wieder ganz anders. Gut, zu Sonnenschein kam es nicht wirklich, aber zumindest hörte es auf zu regnen. Nach einem Spaziergang durch die Stadt entschieden wir uns für einen Ausflug. Zur Auswahl standen Grönland und die Westmänner, wobei wir uns schließlich für letzteres entschieden, weil Grönland für einen Tagesausflug wohl doch etwas weit weg war. Am Inlandsflughafen in Reykjavik standen wir zusammen mit einer Schulklasse vor einer kleinen Propellermaschine, die, nachdem wir die Maschine betreten hatten, auch schon voll besetzt war. Wenn wir uns angesichts der kleinen Maschine schon etwas unwohl gefühlt hatten, war die Landung noch viel abenteuerlicher. Die Maschine setze auf der schwarzen Lavapiste auf und rumpelte über die Steine, bis sie endlich zum Stehen kam. Dann wurde sie von einem Flughafenmitarbeiter per Hand eingewiesen – wo gibt es sowas schon? Unser Reiseleiter war am kleinen Flughafen Heimaey nicht zu übersehen und so starteten wir anfangs zusammen mit der isländischen Schulklasse zum Krater Eldfell, der 1973 die ganze Insel unter Feuer und Asche begraben hatte. Damals hatten die Menschen Glück, dass alle Fischer aufgrund des schlechten Wetters im Hafen lagen, denn nur so konnten alle evakuiert werden. Das Wetter von heute könnte etwas an damals erinnern, aber darüber denken wir lieber nicht nach. Vorbei an schwarzen, roten und hellen Lavasteinen wagten wir den Aufstieg und standen schließlich oben zwischen dampfenden Steinen am Kraterrand. Die Lavasteine waren so warm, dass man sich die kalten Finger damit wärmen konnte – und das nach so vielen Jahren. Am Eldfell trennten wir uns von der Schulklasse und setzten die Reise mit einem Kleinbus weiter, vorbei an schroffen Vogelfelsen, die einsam im rauen Nordatlantik stehen. Wir besichtigten einen kleinen Garten, den jemand inmitten der erkalteten Lava angelegt hatte. Unglaublich, dass hier etwas wächst, und auch die Windmühle, ein Geschenk eines Holländers, ließ den Garten irgendwie fehl am Platz erscheinen. Auf der Fahrt durch Heimaey sahen wir überall Häuser, die nur noch teilweise aus erkalteter Lava hervorschauten – Überbleibsel des Ausbruchs von 73. Aber die Isländer sind hart im Nehmen und bauten ihre Existenz einfach wieder auf. Was blieb ihnen auch anderes übrig? Wir fütterten auf der Weiterfahrt Schafe und Pferde und beobachteten die niedlichen Papageientaucher an einer steilen Klippe. Wirklich traumhaft – ein Wort das ich wohl noch häufig benutzen werde. Letzte Station unserer Reise war ein Golfplatz an einer Klippe – ich frage mich, wie viele Golfbälle hier schon im Atlantik versenkt wurden, sicher nicht wenige. Überhaupt sollten wir feststellen, dass Golf hier eine Art Nationalsport ist. Überall findet man Golfplätze und das Spiel ist nicht wie in Deutschland Luxus. Wir sahen heute auch ein im Atlantik abgezäuntes Gebiet, in dem „Free Willy“ lebt und hoffentlich bald in die Freiheit entlassen werden kann.

Heimaey - Hauptstadt der Vestmannayear

Heimaey – Hauptstadt der Vestmannayear

Am dritten Tag übernahmen wir endlich unseren Mietwagen und machten uns auf die Insel auf der Ringstraße zu erkunden. Als wir unseren Toyota Corolla mittags mit Verspätung endlich entgegennahmen verließen wir die Hauptstadt sofort in östlicher Richtung und stoppten erst wieder kurz in Hveragerdi. Dort gibt es ein riesiges Gewächshaus mit allerhand tropischen Pflanzen, das ich ja auch letztes Jahr schon besucht hatte. Unser Stopp hier diente diesmal jedoch mehr dem Einkauf einiger Souvenirs und Postkarten. Dann verließen wir die Ringstraße in Richtung Gullfoss und Geysir. Anfangs hatten wir noch Asphalt unter den Reifen, aber schon nach kurzer Zeit war es nur noch Schotter mit tiefen Schlaglöchern. Die Landschaft ist wild und zerklüftet, wobei wir auf unserer weiteren Fahrt noch viel atemberaubende Landschaften erleben sollten. Die Straßen ziehen sich schier ewig über verengte Brücken hin, unter denen tosende Gletscherflüsse dahinbrausen. Das Wetter war an diesem Tag auch sehr verrückt, Regen, trocken, Regen, trocken, und alles so sprunghaft. Doch im Gegensatz zu meinem Winterurlaub konnte ich heute etwas vom Geysir Strokkur und den munter vor sich hinblubbernden Schlammlöchern erkennen. Wie immer dauerte es ewig, bis wir endlich im richtigen Moment den Auslöser betätigten, um Strokkur zu verewigen, aber wir schafften es.

Der Geysir Strokkur

Der Geysir Strokkur

Gullfoss schließlich war das absolute Highlight des heutigen Tages – ein majestätischer Anblick. Über mehrere Felsbänke stürzt er hinab und unzählige Regenbögen spiegeln sich in der Gischt. Ob Sommer oder Winter, Gullfoss sollte man nicht verpassen – eine wahre Naturgewalt.

Gullfoss - Der goldene Wasserfall

Gullfoss – Der goldene Wasserfall

Die Rückfahrt zur Ringstraße über Fludir war schließlich ein richtiges Abenteuer. Die Straße war eng mit tiefen Schlaglöchern und teilweise Felsbrocken auf der Fahrbahn. Auf der ganzen Fahrt sahen wir keine einzige Ortschaft, nur vereinzelte Bauernhöfe, von denen fast jeder einen eigenen Wasserfall besaß. Der Hammer kam dann, als der LKW vor uns plötzlich anhielt, die Ladefläche öffnete und seine ganze Ladung Schotter vor uns auf die Straße kippte. Wie aus dem Nichts kam von rechts eine kleine Raupe, die sich gemächlich daran machte, die Ladung auf der Fahrbahn zu verteilen und festzufahren. Wir wurden einfach ignoriert, was anfangs ja noch ganz witzig zu sein schien, nach einer viertel Stunde aber nervte. Als wir die Arbeiter darauf aufmerksam machten, dass wir da gerne durchfahren würden, winkten sie uns nur durch, wobei wir in dem noch nicht festgefahrenen Schotter fast stecken blieben. So etwas erlebt man auch nicht alle Tage, aber wir nahmen es mit Humor, das ist eben Island, verrückt anders. Nach schier unendlich langer Fahrt erreichten wir schließlich Fludir, einen ganz normalen Ort, nicht annähernd so wunderschön, wie es unser Reiseführer versprach. Hundemüde von der heutigen Fahrt fanden wir schließlich in Hella im Gästehaus Mosfell eine Unterkunft für die Nacht, zwar kein Luxus, aber zum Schlafen ausreichend. Was mir hier das erste Mal auffiel: das Leitungswasser hat einen unglaublich starken Geruch nach faulen Eiern, wegen dem Schwefel der heißen Quellen, so dass einem beim Zähneputzen fast schlecht wurde.

Der vierte Tag kam und das Wetter war heute das erste Mal richtig gut. Wir starteten auf der Nr. 1 Richtung Vik. Der erste Stopp war am Seljalandsfoss, diesmal ohne Schneeketten ;-). Es war ein wunderschöner Spaziergang am Wasserfall entlang, die Gischt, die einem ins Gesicht spritzt und diese unglaublich frische Luft. Am nächsten Wasserfall Skogafoss zierten wieder mehrere Regenbögen die Gischt – einfach traumhaft. Hier waren wir sogar so verrückt und liefen barfuß durch ein kleines Bächlein, sozusagen eine kleine Kneippkur.

Skogafoss - Kleiner Größenkontrast

Skogafoss – Kleiner Größenkontrast

Die Landschaft wechselte so abrupt, dass es schwer ist das alles zu erklären. Wir sahen Gletscher, Bergmassive und schier endlose Gesteins- und Sandwüsten, weite Wiesen, viele Weiden und Bauernhöfe und unser Weg kreuzte unzählige Gletscherflüsse. Eine aufregende Landschaft, die es einem alles andere als langweilig werden lässt auf der sonst so tristen, endlosen Nr. 1, die wir die meiste Zeit auch noch für uns alleine hatten. Wir machten einen kleinen Spaziergang in Vik, die schwarzen Strände von Dyrholaey waren uns leider wegen der Brutzeit der Vögel verwehrt, dabei wäre es wirklich toll gewesen, diese einmal bei schönem Wetter zu sehen.

Vik i Myrdal

Vik i Myrdal

Wir sahen Landmannalaugar und den Myrdalsjökull aus der Ferne. Und überall Wasserfälle über Wasserfälle. Anfangs versucht man noch, jeden zu fotografieren, aber irgendwann gibt man auch das auf, anscheinend hat hier wirklich jeder Hof seinen eigenen. Zum Mittagessen in Kirkjuberklaustur gab es wieder nur ein Sandwich, also das Essen lässt hier wirklich zu wünschen übrig, was aber natürlich hauptsächlich am Preis liegt. Weiter gings zu den Zwergenklippen Dverghammrar, wir sahen die Gletscherzungen des Vatnajökull und die Wüste Skeidarasandur. Ein Spaziergang durch den Skaftafell Nationalpark erfrischte unsere Seelen, unser Körper dagegen kam ganz schön ins Schwitzen; mittlerweile war es für isländische Verhältnisse mit ca. 18 Grad richtig angenehm warm. Und schließlich kam der Höhepunkt des Tages, die Gletscherlagune Jökulsarlon. Wie Kristall glänzten die Eisschollen in der Sonne, brachen ab und trieben langsam Richtung Meer, unter einer Brücke hindurch, die ich scherzhaft als Miniaturausgabe der Golden Gate Bridge bezeichnete. Dieses Eis hat so unterschiedliche Formen, bei manchen dachte man, sie wollten einem irgendetwas sagen. Ein atemberaubender Anblick, von dem man sich schwer losreißen kann, aber es half alles nichts, wir mussten uns ja noch eine Unterkunft für die Nacht suchen.

Gletscherlagune Jökulsarlon

Gletscherlagune Jökulsarlon

Diesmal kamen wir auf dem Bauernhof Brunnavellir unter. Die Besitzer waren zwar nicht auf Gäste eingestellt und wir überraschten sie im Kuhstall, doch Isländer sind Meister im Improvisieren und richteten uns schnell das Gästezimmer her, während wir mit den Kindern Fernseh schauten. Fürs Abendessen überließ man uns die Küche und eine Beutel Spargelcremesuppe.

Wir verließen am fünften Tag nach einem faszinierend üppigen und köstlichen Frühstück den Bauernhof Richtung Osten. Wieder hatten wir ein interessantes Stück „Gravelroad“ vor uns. Wer meint, nur die Hochlandstraßen wären ungeteert, täuscht sich, sogar große Teile der Ringstraße sind nur geschottert. Unser erster Stopp Höfn, eine kleine Stadt, wenn sie die Bezeichnung „Stadt“ überhaupt verdient, hatte keinen besonderen Reiz, so dass wir gleich weiter fuhren, um die Ostküste bis Egilstadir heute noch zu schaffen. Die Straße forderte uns heute wirklich, Gravelroad mit teilweise 16% Steigung und unübersichtlichen Kuppen und ein kalter, schneidender Wind vom Meer, der nicht zum Aussteigen einlud. Nach einem kurzen Stück auf der Küstenstraße wurden wir so vom dichten Küstennebel eingeschlossen, dass wir uns doch für den Weg durch die Berge entschieden und umkehrten.

Küstenstrasse

Küstenstrasse

Die Straße über die Berge erinnerte schon etwas ans Hochland, Natur pur, fast keine Zeichen von Zivilisation, nur alle paar Stunden mal ein entgegenkommendes Fahrzeug. Die Landschaft war einfach faszinierend, diese vielen Farben und steilen Pässe – Freiheit pur, nur die Natur und die Straße vor uns, die sich dahinschlängelte. Dieser Teil der Strecke war einfach bezaubernd und obwohl die Fahrt aufgrund der unbefestigten Straßen sehr anstrengend war, hätte ich ewig so weiter fahren können.

Hochlandstrasse

Hochlandstrasse

Unser heutiges Nachtquartier bezogen wir in einem Gästehaus in Fellabaer am Ufer des Lagarfljot, einem kleinen See, in dem laut einer Sage ein Verwandter von Nessi hausen soll. Ich habe das Ungeheuer bei unserem abendlichen Spaziergang leider nicht entdeckt, aber wieso sollte es deshalb nicht vorhanden sein? Überhaupt muss ich zugeben, dass man in Island an allerhand fantastische Wesen glaubt, die beeindruckende Natur verleitet einfach dazu. Man denke nur daran, dass der Staat sogar einen eigenen Elfenbeauftragten beschäftigt, der bei Baumaßnahmen immer vorher konsultiert wird, damit nicht irgendwelche Elfensiedlungen zerstört werden. Island ist einfach gemacht für Sagen. Mit steif gefrorenen Fingern kamen wir nach unserem Spaziergang zurück in die Unterkunft, gerade rechtzeitig, bevor dichter Nebel aufzog. Vielleicht war das jetzt die Zeit für das Ungeheuer vom Lagar Fljot.

Auch am sechsten Tag hatte sich das Wetter nicht gebessert, noch immer war alles bedeckt von dichtem Nebel. Als wir aufbrachen, schauten wir noch kurz in einer Wetterstation vorbei, wo uns der nette Herr Hoffnungen auf traumhaftes Wetter macht. „No fog, no rain, no snow“, war seine Aussage. Leider macht das Wetter nicht immer das, was Wetterpropheten sagen, und so hatten wir alles, von dichtem Nebel über strömenden Regen bis zu einem Schneesturm. Unser Weg führte uns wieder auf die Hochebene, durch die Hellisheidi und Jökulsaheidi. Die Straßen waren an manchen Stellen wirklich ein Abenteuer aus großen Steinbrocken und dann kam noch die schlechte Sicht dazu. Die Landschaft änderte sich von Augenblick zu Augenblick, hohe Bergmassive mit bezaubernden Wasserfällen wurden abgelöst durch weite Ebenen, einfach unbeschreiblich. Die Farben wechselten von dunkel zu hell, oft begegnete uns sandfarbene oder sogar rote Tönung und die Straße schien nie enden zu wollen. Kilometerweit begegnete uns kein Mensch, nicht mal ein Bauernhof war zu sehen, nur alle 12 km eine Schutzhütte.

Hochlandstrasse

Hochlandstrasse

Die Wasserfälle, denen wir unterwegs begegneten, schienen aus dem Nichts zu kommen, da dichter Nebel nur einen Teil sichtbar werden ließ. Die Fahrt war somit wirklich mehr als abenteuerlich und wir waren froh, als wir das Solfatarenfeld Njamafjall Hverir erreichten und die Straßenverhältnisse und auch das Wetter wieder etwas besser wurden. Im Solfatarenfeld stießen wir auf blubbernde Schlammkessel und heiße Dämpfe, die aus dem dünnen, rissigen Boden aufstiegen, doch der extrem starke Geruch nach faulen Eiern und Sylvesterkrachern lud nicht zum Bleiben ein. Außerdem blies den ganzen Tag schon ein eisiger Wind. Wir kamen auf dem weiteren Weg an zwei Straßen vorbei, die zum gewaltigen Dettifoss führten. Bei der ersten stand ein Schild „Nur für Allradfahrzeuge“, somit nichts für unseren tapferen Toyota Corolla, aber es gibt ja noch eine zweite Straße, dachten wir. Nur leider war die zweite Straße komplett gesperrt, so ein Pech. In Skudustadir am Myvatn bezogen wir Quartier und bekamen zum ersten Mal ein richtiges Abendessen, Forelle und Kartoffeln – eine willkommene Abwechslung nach den Burgern, von denen wir uns bisher meistens ernährt hatten. Die nette Dame in der Unterkunft organisierte uns dann für den nächsten Tag sogar eine Tour mit Superjeep und Fahrer zum Dettifoss, so dass wir dieses Highlight doch nicht verpassen mussten. Unser abendlicher Spaziergang zu den Pseudokratern des Myvatn führte uns schließlich vor Augen, woher der See seinen Namen hatte. Die Mücken waren einfach überall, sie stiegen schwarz vor einem aus dem Gras auf und wir sahen sogar einen Wegweiser, den man vor lauter Mücken fast nicht mehr lesen konnte. Ich frage mich allen Ernstes, wie es hier im August aussieht, wenn jetzt schon so viele Mücken unterwegs waren. Zum Glück waren sie jedoch nicht auf Stechen aus.

Lavaformationen im Myvatn

Lavaformationen im Myvatn

Der siebteTag brachte ein wahres Abenteuer mit sich. Kurz vor 8 am Morgen wurden wir schon von unserem Fahrer Marino erwartet und der Superjeep war einfach der Hammer. Wir sollten allerdings noch feststellen, dass wir dieses Auto auch brauchten. Marino entschied sich für die komplett gesperrte Straße, er fuhr einfach von der Straße in den Graben vorbei an der Absperrung und wir erkannten schon nach einige Metern, wieso es diese Absperrung gab. Es gab keine Straße mehr, sie war an manchen Stellen von den Wassermassen der Schneeschmelze einfach weggerissen worden, aber auf unseren Jeep und das Können unseres Fahrers konnten wir uns verlassen. Als wir den Parkplatz des Wasserfalls erreichten, sahen wir erneut wozu die Sperre da war. Der Parkplatz war komplett überschwemmt, sogar bei unserem hohen Jeep stand das Wasser bis zur Hälfte der Tür. Doch kein Problem für einen Isländer, Marino furtete durch die Wassermassen und ließ uns an einem Felsen aussteigen, wo wir trockenen Fußes zum Wasserfall kamen. Trocken waren wir jedoch nur sehr kurz, den die Gischt des Dettifoss war so gewaltig, dass wir innerhalb weniger Minuten durchnässt waren und sogar meine Kamera aufgrund der Feuchtigkeit ihren Dienst versagte. Jetzt wussten wir auch, wieso sich Marino am Auto in dichte Regenkleidung gehüllt hatte; unsere Klamotten klebten an uns, aber das Erlebnis war es wert. Mir fällt kein passendes Wort ein, um diese Gewalt zu beschreiben.

Dettifoss

Dettifoss

Wir fuhren noch ein Stück weiter und machten in der Nähe eines kleineren Wasserfalls, des Hafagrilsfoss, ein Picknick zwischen den Lavasteinen. Wäre es nicht so furchtbar kalt gewesen, was auch etwas an unseren nassen Kleidern lag, hätten wir sicher länger hier verweilt. Aber wir hatten ja noch mehr vor. Nächste Station unseres Ausflugs waren Vesturdagur und Hlojdaklettar. Die massiven Berge aus Basaltgestein sahen wie bearbeitet aus, doch alles war von der Natur geschaffen. Das Echo verwirrte unsere Ohren, man konnte nicht mehr ausmachen, von woher das Wasserrauschen kam, und die Felswand glich Bienenwaben. Wir besuchten eine Felsengrotte namens „Kirkja“, die auch wie eine Kirche aus Basaltgestein aussah. Dann ging’s weiter nach Àsbirgy, dem Tal, in dem laut einer Sage Odins Pferd Sleipnir mit einem Huf die Erde berührt haben soll. Das Tal sieht wirklich wie ein riesiger Hufabdruck aus, überall wuchsen Birken und ein kleiner See in einem angenehmen Grünton lud zum Verharren ein. Ein weiteres Picknick in Àsbirgy versüßte den gelungenen Tag, wir unterhielten uns sehr gut mit unserem Fahrer, wie auch schon den ganzen Tag. Er bot uns „Snus“ an, den wir aber dann doch nicht annahmen. Ich habe das vorher noch nie gesehen, er hat den Tabak nicht geschnupft sondern ihn sich mit einer abgeschnittenen Plasitkspritze unter die Oberlippe gespritzt. Zum Glück konnte ich unsere blöden Gesichter nicht sehen, wir starrten ihn verwirrt an und er grinste und sagte nur: „It makes the day better!“ Die Fahrt ging weiter am Nordatlantik entlang, Marino zeigte uns die Klippen, wo die Möwen und Papageientaucher nisten, der Ozean hatten einen schönen eisblauen Ton und peitschte gegen die Felsen. Wir sahen Husavik, ein schönes Städtchen zwischen massiven Bergen und dem kalten Ozean. Hier hätte die Möglichkeit zum „Whalewatching“ bestanden, aber das wollten wir jetzt nicht auch noch. Außerdem hatten wir ein kleines Fototief, wegen dem Defekt an meinem Apparat konnten wir kein einziges Bild von Husavik schießen. Marino zeigte uns noch das Haus seines Vaters und seine Farm, er trainiert Islandpferde und hat an die 60 Tiere. Nun ging’s leider wieder zurück nach Skutusstadir. Ein schöner und gelungener Tag und ein großes Abenteuer. Man sollte so eine Tour wirklich einmal in Betracht ziehen, man vergisst sie nie wieder. Am Abend trafen wir in unserer Unterkunft einen netten Holländer namens Joost, der uns viele hilfreiche Tipps für unsere Weiterreise gab. Wir gingen zusammen zum Essen, Fish & Chips. Joost hatte sich eine Auszeit genommen und arbeitete entweder in Island in einem Krankenhaus als Pfleger oder tourte mit dem Mountainbike um die Insel, wie jetzt gerade. Also ganz ehrlich, ich möchte bei isländischen Gegenwind nicht Radfahren, aber ich bewundere das sehr. Tja und nun ging’s ins Bett, nicht richtig erschöpft, aber angesichts der Zeit! Mein Fotoapparat geht auch wieder, gottseidank!

Nach dem Frühstück ging es am achten Tag bei anfangs eisigem Wind und Schneefall los Richtung Westen. Wir verabschiedeten uns von Joost, der doch tatsächlich bei diesem Wetter mit dem Fahrrad Richtung Husavik startete. Unser erster Stopp war Dimmuborgir, wir wanderten zwischen den beeindruckenden Lavaskulpturen hindurch und sparten die Spalten im Boden, die tief in die Erde führten, aus. Es war faszinierend, mit ein bißchen Fantasie sah man unglaubliche Formationen, ich verglich z.B. einen Felsen mit einem Römer ;-).

Dimmu Borgir

Dimmu Borgir

Ein weiteres Highlight war die nächste Station – Godafoss. Für mich ist dies der schönste Wasserfall Islands, zumindest von denen, die ich bisher gesehen habe. In zwei Kaskaden stürzt Godafoss hinab und schimmert dabei grün und eisblau – einfach wunderschön. Seinen Namen hat der Wasserfall übrigens daher, weil nach der Christianisierung ein isländischer Gode hier seine alten Götterbilder in den Fluten versenkt hatte.

Godafoss

Godafoss

Die Weiterfahrt führte uns noch zu den Grasodenhäusern von Laufas, leider konnten wir sie nur von außen sehen, da wir doch etwas außerhalb der Saison hier dort waren und die Häuser noch nicht hergerichtet waren.

Grassodenhäuser Laufas

Grassodenhäuser Laufas

Dann führte die Nr.1 am Eyjafjördur entlang nach Akureyri, einem malerischen Fjord. Anfangs irrten wir etwas planlos durch die Stadt, bis wir unser Quartier etwas außerhalb in den Hügeln in einem Gästehaus mit atemberaubenden Blick auf die Hauptstadt des Nordens bezogen.

Akureyri

Akureyri

Akureyri ist wirklich wunderschön, ein malerisches Städtchen mit kleinen Gassen und bunten Häusern. Wir spazierten etwas durch die Straßen, aber leider konnten wir unseren beabsichtigten Besuch im Nonnihus nicht wahrnehmen, da auch das geschlossen hatte – schade, wo ich die Fernsehserie doch so geliebt habe. So endete unser Tag mit einem Besuch im Freibad. Wie hatte ich die Hot Pots vermisst, es war wunderbar entspannend, auch wenn es im Winter einen noch größeren Reiz hat.

Am neunten Tag schaffte wir es doch noch über die Touristinformation eine Führung durchs Nonnihus zu bekommen. Es war spannend, die vielen Bilder über sein Leben und seine Reisen und vor allem auch das Haus mit den niedrigen Decken zu entdecken. Für mich als relativ großen Menschen war es sehr anstrengend, das obere Stockwerk zu besichtigen, da ich nur gebückt gehen konnte. Auf der Weiterfahrt besuchten wir noch den Ort Möduvellir, wo Nonni geborgen war, jedoch erinnerte hier nur noch ein Gedenkstein an seinen großen Sohn. Den Ort Skipalon, der uns von unserem Hausherrn empfohlen worden war und wo Nonni und Manni im Film einen Winter verbringen, konnten wir leider nicht besichtigen, da die Straße mit einer Kette abgesperrt war. So fuhren wir wieder zurück auf die Nr. 1 Richtung Blönduos über die Öxnadalsheidi, eine schöne Strecke mit gewaltigen Bergmassiven und weiten Tälern. Es war eine schöne, aber einsame Gegend; mir persönlich gefiel aber der Osten besser. Nur das Wetter meinte es heute nicht so gut mit uns, es war zwar trocken und auch die Sicht war gut, aber es wehte ein eisiger Wind, der einem die Gesichtszüge erstarren ließ. Es hatte bereits im Osten begonnen, aber nun wurde es immer kälter. Dann brachen wir nach Glaumbaer zu den dortigen Grasodenhäusern auf. Auch diese waren sehr schön, obwohl ich sagen muss, dass mir die Häuser in Laufas besser gefallen haben. Aber auch hier konnten wir die Häuser nur von außen besichtigen, es ist eben einfach Nebensaison. Auf der Weiterfahrt Richtung Blönduos entdeckte ich das Schild eines Countryradiosenders, es war richtig lustig dieser Musik bei dieser Gelegenheit zu lauschen. Da uns Blönduos, abgesehen von der Kirche, nicht sehr gefiel, bogen wir ab Richtung Skagaströnd. Dort soll die einzige Countrybar in Island sein, leider war sie bei unserer Ankunft geschlossen, genauso wie das Gästehaus. Aber Isländer sind flexibel, wie man uns einmal mehr bewies. Ein netter Mann einen Stock über dem Gästehaus rief für uns die Besitzerin an und sie kam auch sofort, um uns zu empfangen. Es waren schöne große Zimmer und sogar ein Fernsehraum, eine Bar usw. waren vorhanden, eine richtige schöne Wohnung und das alles für uns alleine. Sie öffnete schließlich sogar nur wegen uns die „Kantrybaer“, da es in der Ortschaft keine Möglichkeit gab, etwas zu Essen zu bekommen. Es war wundervoll, ein Blockhaus, sehr schön hergerichtet im Westernstil, im Obergeschoss befand sich der Radiosender, den wir gehört hatten. Im Nebenraum, wo sich Bühne und Tanzfläche befindet, war noch der Maler am Werk, er malte ein riesiges Wandbild mit Cowboys und Indianern. Es ist unbeschreiblich schön und sie öffnete nur für uns zwei, unglaublich. Im August ist hier immer ein Countryfestival, zu dem die Leute sogar aus den USA anreisen. Ich kann Skagaströnd und die Kantrybaer nur empfehlen, am Besten aber wenn nicht gerade Ruhetag ist und der Ort bis auf den eisigen Wind wie ausgestorben ist.

Der zehnte Tag führte uns wieder Richtung Süden. Wir durchquerten ein weiteres Mal Blönduos und bogen ab Richtung Borgavirki, weil es dort schöne Basaltklippen geben soll. Ein weiteres Mal wurden wir durch eine gesperrte Straße zum Umkehren gezwungen, aber das waren wir ja schon gewohnt und irgendwie gehört es zu Island einfach dazu, dass einem die Natur manchmal einen Strich durch die Rechnung macht. So führte uns unser weiterer Weg eben nach Hvitsekur, einem schönen Vogelfelsen, der majestiätisch im schwarzen Sand thront. Wenn die Brandung stark ist, steht der Felsen bestimmt halb unter Wasser. Doch da uns auch heute wieder eisiger Wind und teilweise Schnee begleitete, verharrten wir nicht sehr lange. An einem Parkplatz trafen wir einige Deutsche, das eine Ehepaar besuchte seine Tochter, die ein Jahr in Island auf einer Farm arbeitet. Zusammen machten wir einen Spaziergang, um Robben zu beobachten. Es war schön, auch wenn die mit Algen bedeckten Felsen sehr glitschig waren. Mit einigen Muscheln im Gepäck machten wir uns auf den Rückweg und entdeckten dann eine kleine Robbe, die uns aus großen Augen anschaute. Anscheinend hatte sie ihre Mutter verloren und war auch schon sehr abgemagert. Wir berührten sie nicht, für den Fall, dass ihre Mutter doch noch zurückkehren würde, und hofften das Beste für sie. Nach der Verabschiedung von der netten Familie fuhren wir über Laugarbakki und die Holtavörduheidi nach Borgarnes. Nun ließ sich endlich auch wieder die Sonne blicken, man merkte, dass der Süden näher kam. Warm schien sie auf uns und wir verbrachten eine Weile inmitten von Grasbüscheln und genossen die wärmenden Strahlen. Borgarnes selbst hat genauso wenig Reiz wie Blönduos und so fuhren wir gleich weiter auf der Nr.54 Richtung Olafsvik, schließlich wollten wir uns nun der Snaefellsneshalbinsel widmen – vielleicht fanden wir ja auch den Eingang zum Mittelpunkt der Erde ;-). Heute jedoch suchten wir uns bald eine Unterkunft für die Nacht und fanden nicht weit hinter Borgarnes ein Zimmer im Old English House. Es lag sehr malerisch an einem Lachsfluss und die Hausherrin kochte uns sogar noch ein Abendessen. Zum ersten Mal in Island bekamen wir Lamm, es gab Lammgulasch mit Reis, exzellent kann ich nur sagen! Man muss dazusagen, dass wir auch hier die einzigen Gäste waren. Dann, als wir schon im Bett lagen und unseren nächsten Tag planten, bemerkten wir auf einmal Inseln im Fluss, die vorher noch nicht da waren. Der Fluss hatte tatsächlich Ebbe, er zog sich immer weiter zurück.

Der elfte Tag kam, der Fluss war wieder vollständig da und die Sonne schien – was will man mehr. Die morgendliche Dusche war wirklich ein Erlebnis, erst wurde sie nicht warm und als sie endlich lauwarm war, wurde das Wasser weniger. Naja, wach waren wir hinterher jedenfalls ;-). Nach einem guten Frühstück brachen wir schließlich wieder auf zur Erkundung der Snaefellsneshalbinsel und ließen das Old English House hinter uns. Der Weg war traumhaft, vor uns hatten wir immer diese weißgepuderten Berge. Als wir auf die Nr. 55 durch die Raudnadalsheidi abbogen, zeigte sich wieder mehr Lavagestein, gewaltige Lavabrocken schmückten die Gegend. Heute begleiteten uns auf unserem Weg wieder massive Rhyolitberge, Seen, Wasserfälle und schneebedeckte Berge. Unser „Mittagessen“ (Brot und Käse) nahmen wir auf einem Campingplatz in Stykkisholmur zu uns. Ein schönes Städtchen mit Kirche im typisch nordischen Stil. Am Campingplatz trafen wir zwei Frauen aus Deutschland, wieder eine sehr nette Gesellschaft; mit der einen sollte ich mich schon bald darauf in Wacken wiedertreffen, Zufälle gibts! Dann ging’s weiter, wir besichtigten das Thingvellir auf Snaefellsnes und fuhren dann weiter nach Olafsvik. Diese Stadt hat, außer der Kirche im nordischen Stil, auch nichts besonderes zu bieten, deshalb blieben wir auch hier nicht lange. Die nächsten Orte Rif und Hellisandur waren genauso unspektakulär, das einzig Sehenswerte war das Fischermuseum in Hellisandur mit Grasodenhäusern. Dann kam endlich wieder „meine“ Gravelroad Richtung Arnarstapi, hier überraschte uns sogar ein kleiner Schneesturm. Es fing bereits in Hellisandur schon leicht an zu regnen und jetzt war es richtig gespenstisch, die schwarze Lavastraße, die moosbewachsenen Lavasteine, die giftgrün leuchteten, und der Nebel und der Schnee, richtig gruselig. Wenn jetzt ein Vampir um die Ecke gekommen wäre, hätte es mich auch nicht gewundert.

Auf der Snaeffelsnesshalbinsel

Auf der Snaeffelsnesshalbinsel

In Arnarstapi bezogen wir schließlich Quartier. Nach einem Abendessen, Pannakökur, machten wir einen Spaziergang an den Klippen entlang, es war schön, aber regnerisch. Die Möwen kreisten über uns und kreischten, wir kamen uns vor wie in Alfred Hitchcock’s „Die Vögel“, es fehlte nur noch, dass diese auf uns herabstürzen würden. Auf dem Rückweg entdeckte ich dann auch mein Traumhaus, das etwas an die Villa Kunterbunt erinnerte ;-). Bei einem Glas Brennivin ließen wir den Tag ausklingen. Wenn man bedenkt, was wir heute wieder für einen Wettersturz hatten, war es doch in Stykkisholmur noch so warm, dass wir ins Schwitzen kamen. Kurz darauf kam dann der Schneesturm, verrückt, aber das ist Island!

Unser Plan für den zwölften Tag war die Eroberung des Snaefellsjökull und nach einem kurzen Spaziergang zum Hafen, wo wir uns von Arnarstapi verabschiedeten, ging es auch schon los. Mit unserem unschlagbaren Toyota Corolla fuhren wir den Berg hinauf, bis es uns doch zu riskant wurde und wir das Auto lieber abstellten und zu Fuß weitermarschierten, wir wollten ja nicht auch noch im Schnee stecken bleiben. Da es gestern im Tal geregnet hatte, gab es hier jede Menge Neuschnee. Das Wetter war zumindest besser als gestern – bis auf den Nebel, der sich noch nicht ganz verzogen hatte. Nach einem schweißtreibenden Aufstieg trafen wir auf einige Jungs aus Österreich, die hier zusammen mit ihren isländischen Bekannten den Gletscher mit Snowboards und Snowscootern unsicher machten. Der eine Isländer war richtig witzig, er sprach nämlich einen österreichischen Dialekt mit isländischen Akzent, da er einige Zeit dort gelebt hatte. Er erzählte uns auch, dass er Profifußballer ist und ab Herbst in der 2. Bundesliga in Ulm spielt. Als die Jungs mit ihren Fahrzeugen aufgebrochen waren, verzog sich auch der Nebel und bot uns einen atemberaubenden Blick auf den majestätischen Gipfel des Snaeffelsjökull. Es war bezaubernd.

Snaeffelsjökull

Snaeffelsjökull

Der eine Österreicher, der bei den Superjeeps zurückgeblieben war, erzählte uns, dass er seit vier Tagen hier oben sei und den Gipfel noch kein einziges Mal so gut gesehen habe. Somit hatten wir wirklich Glück. Die Weiterfahrt war etwas verplant, erst wollten wir den Tunnel Richtung Reykjavik nehmen, dann waren uns 1000 Kr Maut aber doch zu teuer und wir entschieden uns für die Fahrt um den Hvalfjördur herum, was auf jeden Fall die bessere Entscheidung war. Unzählige Babyschafe und Austernfischer kreuzten unseren Weg und die Vögel waren wirklich mehr als anstrengend, sie saßen gemütlich auf der Straße und flogen erst auf, als man schon eine Vollbremsung hingelegt hatte. Schließlich bogen wir kurzfristig Richtung Thingvellir ab und hier hatten wir das erste Mal das Problem, dass das Benzin knapp wurde und einfach keine Tankstelle in Sicht war. Was hätte ich jetzt für einen Ersatzkanister im Kofferraum gegeben, aber so standen wir unter Hochspannung und konnten die schöne Gegend gar nicht richtig genießen. Auch die fortgeschrittene Zeit machte uns Sorgen, da wir noch immer keine Unterkunft für die Nacht gefunden hatten. Schließlich ergatterten wir das letzte Zimmer auf dem Reiterhof Efri Bru, eine Empfehlung, die auch nicht ganz billig war, dafür aber sehr nobel. Auch das Essen war an diesem Abend sehr köstlich.

Sehr früh am Morgen des 13. Tages wurden wir von Schafen geweckt, die zu unserer Terrassentür hereinschauten und lautstark blökten. Das nenne ich Natur pur ;-). Unsere Weiterfahrt führte uns zum Glück bald an eine Tankstelle, so dass auch dieses Problem gelöst war, bevor wir irgendwo liegen blieben. Über Thorlakshöfn ging es nach Grindavik und die Landschaft war auch hier sehr schön: Ryolithberge, weite Weiden, das Meer und Gravelroad ohne Ende. Nach einem Eis und einer Unterhaltung mit einem Mädchen, das eine Zeitlang in Bamberg gelebt hat, ging es weiter Richtung Flughafen. Wir wollten abklären, ob der Flughafen durchgehend geöffnet hat, weil wir ja morgen abend unseren Mietwagen abgeben mussten und dann am Tag darauf sehr früh abflogen. Anfangs dachten wir, diese eine Nacht könnten wir schon am Flughafen verbringen, aber letztlich fanden wir zum Glück doch eine andere Lösung. Zuerst ließen wir uns aber von einem netten Herrn des Naturecenters von Sandgerdi herumführen und beobachteten Seeschwalben und Eiderenten, bevor wir aufbrachen, um die berühmte Blaue Lagune zu besuchen. Es kam jedoch anders, wir reservierten für den nächsten Tag ein Zimmer im Hotel Blaa Lonid und einen Transfer am morgen darauf zum Flughafen und machten uns heute auf nach Hafnarfjördur – der größten Elfensiedlung des Landes. Die Unterkunftssuche hier stellte sich als schwierig dar, aber mit der Hilfe einiger Isländer fanden wir eine Privatunterkunft bei einem netten Isländer namens Axel. Am Abend hatten wir dann am Hafen noch ein tolles Erlebnis. Im Hafen lag das Frachtschiff „Pentland Phönix Panama“ und als uns Raul, ein netter Philippino von der Besatzung, entdeckte, lud er uns gleich zu einer Besichtigung ein. Unglaublich, wie riesig so ein Containerschiff ist, wir durften sogar den Maschinenraum und die Brücke sehen sowie auch die Unterkünfte der Mannschaft. Wieder ein unglaublich netter Zufall, sowas erlebt man auch nicht alle Tage.

Der 14. Tag war unser letzter Tag und gleichzeitig ein Erholungstag. Wir gaben gleich am Morgen unseren Mietwagen am Flughafen ab und mussten 405km nachbezahlen, da wir nur 2200 Freikilometer für die Zeit hatten. Das heißt also, dass wir in zwei Wochen 2605 km durch die Wildnis gefahren sind und es war sehr traurig, dass diese Zeit jetzt schon vorbei sein sollte. Die Dame vom Hotel Blaa Lonid holte uns am Flughafen ab und wir bezogen unsere Zimmer, dann ging es endlich zur Blauen Lagune. Wir verloren uns in Dampf und Regen und standen schließlich vor einer leeren Lagune – der Alten! Nach genauerer Nachfrage in der Klinik und einer Wegbeschreibung liefen wir los, 20 Minuten die Straße entlang, bis wir total durchnässt und fertig vor einem Haus standen, mitten in der Lava – Restaurant und Einkaufszentrum in einem. Ein kleiner Happen stärkte uns für unseren Gang ins Wasser. Die Temperaturen waren mehr als angenehm, so um die 38°C, und das Wasser war milchig blau. Im Gegensatz zur alten Lagune war der Boden aufgefüllt mit schwarzem Lavasand, das verhindert die Verletzungen auf den scharfen Lavasteinen. Alles in allem war es schön, aber wir waren auch richtig erschöpft, als wir uns auf den Rückweg machten. Mit total salzverklebten Haaren kamen wir nach unserem 20minütigen Spaziergang wieder zurück ins Hotel. Die Haare ließen sich nicht mehr kämmen, was auch trotz Spülung noch einige Tage so bleiben sollte, aber ein sehr gutes Abendessen entschädigte uns dafür. Nach einem netten Plausch und Kofferpacken ging’s schließlich schlafen, da es am nächsten Tag wieder heim ging, leider!

Nun hieß es leider Abschied nehmen und am nächsten Morgen verließen wir diese Insel mit einem weinenden Auge. Es fällt mir schwer, diese traumhafte Insel zu verlassen und ich habe mir geschworen, wieder zu kommen. In Frankfurt erwartete uns dann eine Hektik und Hitze, die wir so nicht mehr gewohnt waren und die zumindest für mich anfangs erschreckend wirkte, nach der Einsamkeit der letzten 2 Wochen.

Mein Fazit: Der Urlaub war jede Krone wert – einfach traumhaft, unbeschreiblich. Es war eben ein richtiges Abenteuer, wir haben jede Wetterlage, jede Landschaftsform, einfach alles getestet, naja vielleicht nicht alles, aber fast alles! Es ist wahnsinnig schwer, die Insel wieder zu verlassen, und ich weiß eines sicher: See you again in Iceland!!!


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