Ayunbowan Sri Lanka

 

Anfang September 2008 verbrachte ich eine Woche auf Sri Lanka, die zurecht auch die Perle im Indischen Ozean genannt wird. Wenn ich früher an diese Insel südlich von Indien gedacht habe, hatte ich immer wunderschöne Sandstrände und Ayurveda im Kopf, vielleicht noch Tee, aber diese Insel hat so viel mehr zu bieten. Auf einer verkürzten Rundreise erkundete ich die Insel.

Als ich an diesem Sonntag mittag in Colombo landete, wurde ich erstmal von der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit erschlagen. Da wir uns nicht im Klaren darüber waren, dass uns eine 4h Busfahrt nach Habarana bevorstand, hatten wir auch nicht für Getränke vorgesorgt und waren heilfroh als wir nach 2h in einem kleinen Laden endlich Getränke kaufen konnten. Die Landschaft auf dieser Busfahrt war für den Anfang schon sehr beeindruckend: Regenwald, kleine Dörfer, üppig bestückte Obststände und ein unglaublich chaotischer Verkehr, der mir klar machte, wieso man sich am Besten keinen Mietwagen nimmt. Unsere Unterkunft dieses Tages, die Cinnamon Lodge Habarana, war einfach nur toll, die zweistöckigen Bungalows liegen in einem Naturpark, in dem man schon mal von Affengeschrei geweckt, von Geckos erschreckt wird oder erlebt wie ein Mungo durchs offene Restaurant rennt, es war einfach wunderschön.

Erste richtige Station der Rundreise war dann der Löwenkopffelsen in Sigiriya. Die beeindruckende Felsenfestung wurde im 5. Jahrhundert vom Vatermörderkönig Kasyapa errichtet. Zu Beginn war der Aufstieg ziemlich nervig, weil wir von den Einheimischen, die etwas Geld verdienen wollten, regelrecht verfolgt wurden, aber wenn man diese einfach ignoriert geht es und nach einiger Zeit geben diese dann auch auf. Verwunderlich ist, dass die Leute teilweise wirklich gut deutsch sprechen, was sie nur von den Touristen aufgeschnappt haben – Wahre Sprachtalente sozusagen. Der Aufstieg zu dieser spektakulär gelegenen Festung war mehr als anstrengend. Vor allem die letzten schmalen mit Rostlöchern durchsetzten Treppenstufen ließen einen Fragen, ob dieser Aufstieg wirklich so intelligent war. Auf halbem Weg konnte man die „Wolkenmädchen“ betrachten, beeindruckende Frauengemälde auf der Felswand, deren ursprüngliche Farbe immer noch sehr gut erhalten ist. Und wenn man es dann bis ganz nach oben geschafft hat wird man mit einem wahrhaft traumhaften Ausblick belohnt. Bis zum Horizont erstreckt sich eine weite, bergige Dschungellandschaft mit Stauseen und einer großen weißen Buddhastatue, die daraus hervorsticht. Wenn man bedenkt wie unglaublich erschöpft wir oben ankamen, kann man sich gut vorstellen, wieso der König sich diese Festung auf dem Berg errichtete, den wenn es ein Angreifer wirklich bis oben hin schaffte, war er vermutlich nicht mehr kampffähig.

Sigiriya Felsen

Zweite Station an diesem Tag war die mittelalterliche Hauptstadt Polonnaruwa, eine unglaublich riesige Anlage mit Ruinen von Palästen, Tempeln, Dagobas und einem unglaublich riesigen Schwimmbad. Natürlich dürfen auch Buddhastatuen nicht fehlen und viele Bäume zwischen denen sich Affen herumtreiben. Faszinierend fand ich die Bäume, die aussahen als hätten sie mehrere Stämme, die aber von einem Parasiten befallen sind, der von oben nach unten wächst und dafür sorgt dass der Baum abstirbt.

Buddhatempel Polonaruwa

Die letzte Station heute der Felsenschrein Galvihara mit vier Buddhastatuen, deren Highlight auf jeden Fall der 14m lange liegende (sterbende) Buddha ist. Ein netter Singhalese erklärte mir hier auch den Unterschied zwischen einem liegenden (Hand unter dem Kopf, Füße auf gleicher Höhe) und einem sterbenden Buddha (Hand vor dem Gesicht, Füße leicht versetzt). Es gibt auch unglaublich viele Handhaltungen der Buddhastatuen, leider konnte ich mir nicht alles merken, aber ich muß unseren Reiseleiter wirklich bewundern, er wußte wirklich zu allem eine Geschichte und hat uns die Busfahrt wirklich mehr als versüßt. Wir entgingen zwar auf dem Rückweg zum Bus nur knapp einem Attentat, als ein Affe eine Kokosnuss auf uns warf, aber wir haben es überlebt ;-).

Liegender Buddha

In der Dämmerung genossen wir doch noch kurz den Pool und sahen eine ganze Gruppe Flughunde, die über uns hinwegflog.

Auch am dritten Tag hieß es früh aufstehen um die Highlights zu schaffen. Zuerst standen die Höhlentempel von Dambulla auf dem Programm, im Gegensatz zum vorherigen Tag war es ein harmloser Aufstieg. Die Anlage besteht aus fünf Tempeln, die in den Fels gebaut wurden und unzählige Buddhastatuen und Wandmalereien enthalten. Zwischen den Buddhas fand man auch mal einen hinduistischen Gott oder die Statue eines Königs. Es war beeindruckend.

Höhlentempel von Dambulla

Auf dem Weg nach Kandy machten wir Station an einem Gewürzgarten, der uns mit unglaublich vielen Düften erwartete. Wer wollte konnte noch eine Massage genießen und Kräutermedizin einkaufen. Die Fahrt durch Kandy dann war sehr aufregend, denn wie ich schon sagte, ist der Verkehr in Sri Lanka sehr chaotisch, aber unser Busfahrer navigierte uns sicher zu unserem Hotel Earls Regency.

Da diese Reise kein Urlaub sondern Arbeit – eine Inforeise – ist, bekamen wir auch eine Hotelführung und besichtigten unter anderem auch eine Suite und den Wellnessbereich. Ja, Wellness ist in Sri Lanka eine wahre Kunst, leider hatten wir keine Zeit eine echte Ayurvedamassage zu genießen.

Die Stadterkundung in Kandy war sehr spannend, wir besuchten zu erst einen einheimischen Markt und das rege Treiben dort ist sehr beeindruckend, auf der Suche nach dem Souvenirladen Laksala gingen wir auch noch jemanden auf den Leim, er erzählte uns doch tatsächlich, dass der Laden zu hätte und wollte uns zu einem anderen Souvenirgeschäft führen. Zum Glück gingen wir nur ein Stück mit und kehrten dann wieder um, wer weiß wo uns der hingeführt hätte. Die Stadt selbst ist sehr schön, wenn man von dem chaotischen Verkehr absieht. Inmitten befindet sich ein Stausee und an dessen Ufer der berühmte Zahntempel. Doch bevor wir dieses Heiligtum besuchten, ging es zu einer traditionellen Tanzvorführung. Es war schon sehr beeindruckend, aber das viele Getrommel war auch ermüdend oder verursachte Kopfschmerzen. Auch Feuerschucken und über glühende Kohlen gehen gehörte zum Programm, was die Fakire sehr beeindruckend demonstrierten. Obwohl es schon spät war und wir wirklich Hunger hatten hieß es doch erst noch „auf in den Zahntempel“, wo wir die abendliche Zeremonie miterlebten. Es war sehr ergreifend mit welcher Inbrunst diese Menschen den heiligen Zahn verehren. Vor allem wenn man bedenkt, dass diese Menschen teilweise ein Leben dafür sparen, einmal vor der Tür zum Heiligtum zu sitzen und zu meditieren. Die Reliquie wird nur alle 10 Jahre geöffnet, ansonsten ist sie in mehreren Kästchen versteckt. Der Tempel selbst ist sehr prunkvoll ausgestattet mit viel Gold, Elfenbein und vielen Statuen. Da unser Magen mittlerweile wirklich in den Kniekehlen hing, waren wir wirklich froh, als wir endlich aufbrachen. Doch auch jetzt konnten wir uns nicht sofort aufs Buffet stürzen, weil wir auch jetzt erst eine Hotelbesichtigung im Chaaya Citadel bekamen.

Nun war auch schon die Hälfte der Reise vorbei, unglaublich wie schnell die Zeit vergeht, wenn man volles Programm hat. Heute stand zuerst eine Edelsteinfabrik in Kandy auf dem Programm, wir sahen wie die Edelsteine mit gelerntem Blick geschliffen werden und konnten hinterher falls gewollt einkaufen, was einige auch zur Genüge taten. Man merkte auf jeden Fall, dass dies eine gute Edelsteinfabrik war, weil die Leute im Laden keineswegs aufdringlich waren und einem um jeden Preis etwas verkauften wollen. Weiter gings dann auch schon zum königlichen botanischen Garten von Peradeniya, ein riesiges Areal mit allen Arten von Pflanzen. Beeindruckend sind vor allem die riesigen Palmenalleen und ein wahrhaft gigantischer Benjamin – sollte man es schaffen seinen Benjamin zu Hause im Wohnzimmer zu so einer Größe zu züchten, dann hat man es geschafft ;-).

Palmenallee

Mittlerweile war es schon sehr warm und wir waren froh wieder in den klimatisierten Bus zu kommen um zu unserer nächsten Station, dem von allen sehnsüchtig erwarteten Elefantenwaisenhaus von Pinnawela zu kommen. Trotz der Hitze, die auch dort unerträglich war, konnten wir uns einfach nicht von den süßen Elefanten losreißen. Es gab natürlich nicht nur kleine Elefanten und man muß sich trotz allem bewußt sein, dass diese Elefanten immer noch wild sind, aber gerade die ganz Kleinen mit ihrem stacheligen Flaum lassen glaube ich jedes Herz weich werden.

Elefantenwaisenhaus

Auch jetzt war unser Programm für heute nicht zu Ende, nein es ging weiter Serpentinen entlang hinauf ins Bergland, wo wir noch eine Teefabrik besichtigten und im angrenzenden Teeladen fleißig einkauften. Die Landschaft hat sich mittlerweile so verändert und nicht nur die. Wenn man bedenkt dass wir in Pinnawela noch beinahe einem Hitzschlag erlegen wären und jetzt hier im Bergland standen, umgeben von Wasserfällen und Teeplantagen, über dem immer ein dicker Nebel hing und froren, ist dies schon mehr als befremdend. Als wir schließlich endlich die Hauptstadt des Berglandes Nuwara Eliyah erreichten, war es dunkel und wir froren schon beim Anblick der dick eingepackten Menschen, die auf der Straße an uns vorbeiliefen, bekleidet mit Winteranorak und Wollmützen. Kein Wunder, dass der Alkoholkonsum in dieser Gegend einer der höchsten der Welt ist. An einer sogenannten Kneipe, die mehr ein zur Straße hin offener Stand war, an dem ein unglaubliches Gedrängel herrschte, konnten wir uns davon überzeugen, dass die Geschichten unseres Reiseleiters keineswegs erfunden waren. Bevor es in unser Übernachtungshotel fuhren machten wir noch einen Abstecher zum einheimischen Markt, auf dem wirklich alles angeboten wurde, von Gemüse zu Obst, Fleisch, Fisch und sonstige Dinge. Hier war niemand aufdringlich, es ist einfach ein Markt auf dem selten Touristen gesehen werden.

Endlich – halberfroren – im Grand Hotel wurden wir mit einer heißen Gemüsebrühe empfangen, die wir auch dringend nötig hatten. Das Hotel selbst ist ein ca 150 Jahre altes Kolonialhotel und ich wurde irgendwie, ich kann mir nicht helfen, an den Film Shining mit Jack Nicolson erinnert, was sowohl an der Eingangshalle mit offenem Kamin als auch an dem langen, hohen Flur lag, der zu unseren Zimmern führte. Die Zimmer selbst fand ich persönlich sehr schön, ich meinen es ist ein altes Hotel und dass hier vielleicht nicht alles perfekt ist, muß man dem Haus einfach zugestehen. Ich fand es toll, schließlich liegt man hier in einem Bett, in dem schon wer weiß wer geschlafen hat. Hier hat doch sicher jede Ecke eine Geschichte. Ich jedenfalls schlief unglaublich gut diese Nacht, das kann natürlich auch an den Cocktails liegen, die wir in der Kaminbar noch zu uns genommen haben.

Den heutigen fünften Tag verbrachten wir größtenteils im Bus, da wir uns auf dem Weg zu Küste machten, um endlich das Meer und den Strand zu sehen. Man kann es kaum glauben, wir sind seit 5 Tagen auf dieser Insel, die für ihre tollen Strände berühmt ist und haben noch kein einiziges Mal das Meer gesehen. Bevor es zu unserem heutigen Highlight ging machten wir einige Stopps an Teeplantagen und konnten die Teepflückerinnen bei der Arbeit betrachten und Fotos machen. Die Damen haben meinen vollen Respekt, sie balanzieren hier an den steilen Hängen zwischen den Teesträuchern entlang, barfuss und mit einem unglaublich schweren Korb, von dessen Gewicht wir uns persönlich überzeugen konnten, und das alles nur, damit wir hinterher einen guten Ceylontee genießen können. Ich glaube ich werde in Zukunft meinen Tee noch mehr genießen, wenn ich daran denke wieviel Arbeit da drin steckt.

Hochland

Endlich erreichten wir Kitulgala unser heutiges Highlight: Wildwasserrafting. Ausgerüstet mit Schwimmweste und Helm ging es einen nicht sehr vertrauenserweckenden Pfad hinab zum Fluss, die Stufen waren so schmal und teilweise zerbrochen und überall ragte das lange Gras, vor dem wir wegen der Blutekel gewarnt wurden, in den Weg. Kein Wunder, dass zumindest eine aus unserer Gruppe einen Blutekel mitbrachte, den unser Guide aber mit gekonntem Handgriff wieder entfernte. Da ich dieses Jahr schon einmal im Ötztal beim Rafting war, wußte ich beim Anblick des Schlauchboots und der Paddel, dass dies hier wohl nicht unbedingt alle Sicherheitsbestimmungen erfüllt, aber egal, wichtig ist dass es Spaß macht. Es war einfach ein Traum durch die Stromschnellen zu paddeln, auch wenn wir an der ersten größeren die halbe Mannschaft verloren, da dadurch kein Gewicht mehr auf der einen Seite war, kippte das Boot und auch ich ging über Bord, aber solange man wieder auftaucht paßt doch alles. Auf dem weiteren Weg kamen wir an der Stelle vorbei, an der der Film „Die Brücke am Kwai“ gedreht wurde, hier erinnern nur noch Metallringe im Felsen daran, dass man hier eine Brücke montiert hatte, schließlich ist der eigentliche River Kwai in Thailand. Die letzten Stromschnellen (oder Rabbits auf Englisch) durchschwammen wir ohne Boot, unglaublich. Wir waren zwar fertig, als wir endlich die anderen mit dem Bus wieder erreichten, aber es hatte auch unglaublich viel Spaß gemacht.

Als wir endlich die Küste erreichten und die Küstenstraße hinunterfuhren bis Ahungalla, erzählte unser Reiseführer wie hier der Tsunami gewütet hatte. Er meinte im Südosten wären die Wellen so stark gewesen, dass Eisenbahnwaggons fast bis auf die Malediven geschleudert wurden (welche 500km entfernt liegen). Endlich in unserem Übernachtungshotel Heritance Ahungalla angekommen, sahen wir zum ersten Mal richtig das stürmische Meer und den schönen hellen Sandstrand, leider ist diese Reisezeit für einen Badeurlaub am Meer nicht wirklich ideal.

Strand

Am letzten Tag stand dann eine ganze Reihe Hotelbesichtigungen auf dem Programm, Hotel Lanka Princess, Riverina und Siddhalepa, letzteres ist nur für einen reinen Ayurveda-Wellnessurlaub zu empfehlen, da hier sogar das Essen nach Ayurvedamaßstäben gekocht wird. Am nachmittag dann erreichten wir die Hauptstadt Colombo und erfuhren dass hier 2 Tage vorher im Basarviertel eine Bombe hochgegangen ist, ein Grund warum wir hier nicht aussteigen durften. Ich muß aber sagen, wir haben davon nichts mitbekommen, auch heute ging in Colombo alles seinen Gang uns nichts erinnerte mehr daran. Die vielen Tempel, Kirchen und Moscheen in dieser größten Stadt der Insel waren sehr beeindruckend, vor allem wenn man bedenkt, dass hier alle friedlich zusammen leben, hier steht der Hindutempel neben dem Buddhistischen Heiligtum und die Moschee neben der Kirche. Der Konflikt, der in Sri Lanka schon seit langer Zeit herrscht, hat hier nichts mit Religion zu tun, sondern ist auf das Ende der Kolonialherrschaft zurückzuführen. Heute fühlt sich die Bevölkerungsgruppe der Tamilen benachteiligt, weil die Regierung von den Singhalesen gestellt wird und deshalb kommt es immer wieder zu Unruhen, die aber nicht gegen Touristen gerichtet sind. Auch kann man das nicht verallgemeinern, schließlich lebt ein großer Teil der Tamilen friedlich neben den Singhalesen, es ist nur eine kleine Gruppe im Norden, die Tamil Tigers, die sich immer noch nicht mit der Situation abgefunden hat und einen eigenen Staat fordert – eine lächerliche Forderung angesichts der kleinen Insel.

Mein Tipp zum Souvenirkauf, der Laden Laksala, den es auch in kleinerer Ausgabe in Kandy gibt. Hier bekommt man alles an Kunsthandwerk was die Insel zu bieten hat und dies zu guten Preisen ohne dass man handeln muß.

Auch diese Nacht verbrachten wir wieder in einem ehemaligen Kolonialhotel, dem Mount Lavinia. Es war toll, obwohl auch dieses Hotel über 100 Jahre alt ist. Von unserem Zimmer aus hatten wir einen wunderschönen Blick auf die Skyline von Colombo.

So ist die Reise auch schon vorbei und am nächsten Tag hieß es dann auch schon Auf Wiedersehen. Schade, den ich wäre gerne noch länger geblieben. Die Insel hat mich auf jeden Fall überzeugt und ich kann diese nur weiterempfehlen. Es ist diese Vielfältigkeit, die Sri Lanka ausmacht. Mein Tipp an alle, begnügt euch nicht mit einem reinen Badeurlaub, ihr verpaßt wirklich etwas!

Mein Fazit zur Air Lanka, eine super Fluggesellschaft mit einem wirklich sehr guten Service und einem wahrhaft delikatem Essen.

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